Kompliziert kann jeder

August 2017 · Guido Boyke

Software wird meistens für die Lösung einer bestimmten Aufgabe geschrieben. Mit jedem Entwicklungsschritt löst sie diese Aufgabe besser. Die Wünsche des Users werden immer besser verstanden. Der User wird von Mal zu Mal zufriedener.

Ein schönes Märchen, das leider nie wahr werden wird.

Ich greife einfach mal einen Bereich heraus: Content-Management-Systeme. Diese sind seit Ihren Anfängen immer komplexer geworden. Leider kann ich nicht sehen, dass die Anwender im selben Maße zufriedener geworden wären, wie die Software komplexer wurde.

Recht haben und Recht bekommen

Die Webseiten wurden komplexer. Auch die CMS wurden komplexer. Es gab nicht mehr nur einen Redakteur, sondern viele Leute, die an ein und derselben Website arbeiteten. Ein Rechtemanagement musste her.

Sowas fängt immer harmlos an. Sicherlich ist es sinnvoll, mehreren Usern den Zugriff auf ein System zu erlauben. Mit unterschiedlichen Accounts, mit unterschiedlichen Rechten. Aber wie unterschiedlich müssen diese Rechte wirklich sein?

Kontrolle über andere zu haben, scheint manche Menschen zu faszinieren. Und die Vorstellung, alles bis ins kleinste Detail unter Kontrolle zu haben, kommt gerade bei größeren Firmen sehr gut an. Am liebsten möchte man die ganze Firmenhierarchie mit dem System darstellen. Zwar wird es dadurch unbedienbar, aber sicher ist sicher.

Die bittersüße Wahrheit ist ja: Am Ende arbeiten auch bei großen Seiten nur eine Handvoll Leute mit dem System, die zudem alle sehr ähnliche Rechte besitzen. Wozu also der Aufwand?

Aus dem wahren Leben

Ein Autor (Achim) schreibt Artikel. Diese können aber nur von einem Redakteur (Ralf) freigegeben werden. Frage: Muss das System dies wissen? Wenn wir ohne Computer arbeiten würden, dann würde Achim seine Artikel auf den Schreibtisch von Ralf legen, oder?

Ich finde es nicht wünschenswert, wenn die Computersysteme den Menschen das Denken abnehmen. Das CMS stellt ja nur ein Arbeitsmittel dar. Einfachheit ist das Stichwort.

Bei allem technisch Machbaren sollten wir immer im Auge behalten, ob eine technische Umsetzung des Machbaren auch wirklich den Nutzern einen Mehrwert gibt. Oft ist es doch viel besser, ein System einfacher und damit leichter bedienbar zu halten.

Deshalb: Einfach mal mehr Einfachheit wagen.

My two cents.

Guido Boyke

Dieser Artikel ist in seiner Ursprungsform zum ersten mal 2008 im Pisto-Magazin erschienen.

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